Jean Cocteau
Jean Cocteau (1989 - 1963) gehört zu den vielseitigsten und experimentierfreudigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Als Romanautor, Dramatiker, Essayist, Dichter und Filmregisseur machte er sich schon früh einen Namen. Er war berühmt, aber auch berüchtigt, sorgte immer wieder für Skandale und Aufruhr, gelangte aber auch als Mitglied der ehrwürdigen Académie Francaise zu höchstem Ansehen.

Appollinaire bezeichnete ihn einmal als einen 'Vogel, der mit seinen Fingern singt'.

Ebenso umfangreich wie sein literarisches ist sein bildnerisches Werk. Dennoch sind seine Arbeiten aus dem Bereich der bildenden Kunst relativ selten zu sehen. Die größte und umfassendste Sammlung seiner bildnerischen Werke befindet sich im Severin Wundermann Museum in Irvine (Kalifornien). In einem kleinen Museum in Menton (Frankreich) kann man einen repräsentativen Querschnitt aus den letzten beiden Lebensjahrzehnten besichtigen - außerdem natürlich die eindrucksvollen Fresken in der Chapelle Saint-Pierre in Villefranche-sur-mer.

Obwohl Cocteau sein Leben lang als bildender Künstler tätig war und schon in sehr jungen Jahren malte und zeichnete, stellte er seine Bilder selten aus. Er galt als Mentor und Freund der Maler vom Montmartre und Montparnasse. Cocteau war eine zentrale Figur des Pariser Kulturlebens, der die Anfänge des Kubismus miterlebte und mitgestaltete. Gleichzeitig gehörte er auch zu den Künstlern, die
den Surrealismus ins Leben riefen, um sich dann gleich wieder davon loszusagen. Er schuf dadaistische Kunstwerke, und verfeindete sich dennoch mit den Dadaisten. Er ließ sich keiner bestimmten Schule zuordnen, und es bereitete ihm ein besonderes Vergnügen, die Bewegungen, die er wichtig nahm, ad absurdum zu führen.

Durch die wenigen Ausstellungen in den ersten Jahren seiner künstlerischen Laufbahn wurden Kunstkenner und Sammler auf ihn aufmerksam und kauften seine Werke. Gleichzeitig bemühten sich viele Autoren, ihn als Illustrator für ihre Bücher zu gewinnen.

Nach gesundheitlichen Problemen entschied sich Cocteau nach 1950, auf allen Gebieten der bildenen Kunst intensiv tätig zu werden und sich mit seiner individuellen Handschrift als ein herausragender Künstler zu präsentieren. Er nahm mit Malerei, Keramik, Wandteppichen, Schmuck, Pastellen und Glasskulpturen immer mehr Ausdrucksformen auf, womit er seiner Idee von einer 'Poésie plastique', der Plastizität seiner Dichtung, immer näher kam. Mit großen Ausstellungen in Museen und Galerien erreichte er die gewünschte Anerkennung.
Biografisches

1889

geboren in Maison-Lafitte

1909
erster Gedichtband 'Aladins Lampe'

1910
'Der frivole Prinz'
Besuche des russischen Balletts
Begegnung mit Diaghilew, Nijinsky, Sacha Guitry

1911
Begegnung mit Strawinsky
erste Plakate und Zeichnungen für Diaghilew

1912
Veröffentlichung 'Tanz des Sophokles'

1913
Gedichtband

1914
Gründung der Zeitschrift 'Le Mot' mit Paul Iribe

1915
Idee zu 'Parade'

1917
Premiere von 'Parade' mit dem russischen Ballett

1918
'Hahn und Harlekin', Bruch mit Strawinsky

1919 - 25
Jahre voll Schaffenskraft und zahlreiche Veröffentlichungen
Versöhnung mit Strawinsky

1926 - 27
Inszenierung von 'Orphée', 'Ödipus Rex', 'Antigone'

1928
Ausstellung von 25 Zeichnungen aus dem Leben eines Schlafenden in der Galerie Quatre-Chemins

1928 - 33
diverse Stücke, die teils aufgeführt, teils verfilmt werden

1935
Veröffentlichung von 60 Zeichnungen für 'Kinder der Nacht'

nach 1937
weitere Stücke und Lesungen

ca. 1950 - 63
intensive Betätigung auf nahezu allen Gebieten der bildenden Kunst ('Poésie plastique')